Das Experiment 770

Es war das wohl größte soziale Experiment im Nachkriegseuropa und wurde vom Rest der Welt jahrzehntelang nicht wahrgenommen. Bis heute ist das rumänische Experiment 770 bloß eine Randnotiz der Geschichte geblieben.

Neue Dokumente, unveröffentlichte Archivaufnahmen und ergreifende Interviews ermöglichen es zum ersten Mal, die Geschichte einer ganzen Generation nachzuerzählen. Eine Generation, die aus einem einzigen Grund geboren wurden: weil ein Diktator es so befahl. 1966 hatte der rumänische Staatschef Nicolae Ceausescu eine Vision, die Vision vom „neuen“, selbstbewussten, kommunistischen Menschen. Die Geburtstunde dieser Generation wurde das Dekret 770 aus dem Jahre 1966, das Abtreibungen – bis zum damaligen Zeitpunkt die einzige Verhütungsmethode – verbot und unter harte Bestrafung stellte. Ceausescus Plan: Frauen sollten mindestens 4 Kinder haben, die Bevölkerung Rumäniens innerhalb der nächsten 24 Jahre um 10 Millionen Menschen wachsen.

Doch Ceausescus Rechnung ging nicht auf. 23 Jahre später weigerten sich „seine Kinder“ – nun zu jungen Erwachsenen herangereift – den Plan ihres symbolischen Vaters auszuführen. Die meisten Toten der rumänischen Revolution im Dezember 1989 waren junge Menschen, nach 1966, dem Jahr des Dekrets 770, geboren. Fast alle Soldaten aus dem Exekutionskommando, das das Ehepaar Ceausescu erschoss, waren „Kinder des Dekrets“.

Über zwei Jahre dauerten die Recherchen zu diesem Film. Zum ersten Mal willigten Betroffene und Täter ein, über dieses soziale Experiment, das fast jede rumänische Familie betraf, Zeugnis abzulegen und die Geschichte der Kinder, die ihren symbolischen Vater töteten, zu erzählen.

DAS EXPERIMENT 770 – Gebären auf Befehl 

Regie Florin Iepan
Produzent Razvan Georgescu
Kamera Wolf Truchsess von Wetzhausen

Redaktion ARTE Martin Pieper

Koproduzenten Subcultura S.R.L., Timisoara – Rumänien // Periscope Productions, Brüssel – Belgien // TVR 1, Bucharest – Rumänien

Mit Unterstützung der Hessischen Filmförderung und des Jan Vrijman Funds  
©Westend Film & TV, Frankfurt 2005


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